Die Leibnizhäuser II und III bieten die Möglichkeit, in demokratischer Selbstverwaltung zu wohnen. In den Häusern wohnen Junge und Ältere, Berufstätige, Menschen aus dem In- und Ausland und verschiedener Überzeugungen. Studierende stellen unter ihnen den zahlenmäßig größten Anteil. Diese Form des Zusammenlebens wird durch den Verein zur Schaffung und Erhaltung Selbstverwalteten Wohnens e.V. ermöglicht.

 

Selbstverwaltung

Die Selbstverwaltung in den Leibnizhäusern wird nun schon seit 40 Jahren praktiziert, wobei sie flexibel genug ist, sich neuen Erfordernissen anzupassen. Ofiziell hat sich der Verein aber erst im August 1987 gegründet.

Anders als in vielen Studentenwohnheimen werden alle Angelegenheiten des Zusammenlebens und Zusammenwohnens von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Leibnizhäuser selbst organisiert. Wichtige Entscheidungen werden demokratisch auf regelmäßig stattfindenden Versammlungen, den Konventen, getroffen. Diese Entscheidungen betreffen zum Beispiel Fragen des Zusammenlebens. Aber auch gemeinsame Vorhaben wie Renovierungen, Organisation des Haushaltes und nicht zuletzt die Veranstaltung von Festen und kulturellen Aktivitäten werden hier besprochen. Selbstverwaltung erfordert Eigenverantwortung. Wichtige Aufgaben werden daher von jeweils ein bis zwei Personen wahrgenommen. Beispiele hierfür sind Finanzverwaltung, Zimmervergabe, einfache Hausmeisterarbeiten, aber auch die Durchführung von Tutorien. Vorhaben wie Renovierungen werden größtenteils als Eigenleistung durchgeführt.
Ein wichtiges Anliegen der Selbstverwaltung ist es, eine umweltfreundliche Lebensweise zu ermöglichen. Beispielsweise beziehen beide Häuser umweltschonend erzeugten Strom eines sorgfältig ausgewählten Anbieters.
Die Leibnizhäuser sind wie erwähnt auch für nicht-Studierende offen, nur 2/3 sind Studierende. Die Selbstverwaltung ist somit in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht eine besondere Wohn- und Lebensform. Jede Person als Teil der Gemeinschaft gestaltet durch ihr Verhalten und ihre Aktivität das gemeinsame Leben und Wohnen mit. Insgesamt fördert die Wohnform auf diese Weise Verständnis und Toleranz.
Darüber hinaus ermöglicht die Selbstverwaltung auch kostengünstiges Wohnen, da Verwaltungsaufgaben selbst übernommen werden. Die Eigenleistung führt für alle Parteien zur billigstmöglichen Bewirtschaftungsform von Wohnheimen.

 

Verein zur Schaffung und Erhaltung Selbstverwalteten Wohnens e.V.

Der Vereinsname ist Programm - Ziele sind die Schaffung und die Erhaltung selbstverwalteten Wohnens. Diese Wohnform ist in Gefahr, denn den Bewohnerinnen und Bewohnern der Leibnizhäuser wird mit unangenehmer Regelmäßigkeit gekündigt. Bei diesen Anlässen tritt der Verein als Verhandlungspartner auf, auch sonst nimmt er die rechtliche Vertretung der Selbstverwaltung nach außen hin wahr. Der gemeinnützige Verein hat weitere Zwecke:
1. Er stellt Wohnraum an Menschen unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen zur Verfügung.
2. Er fördert demokratische, soziale, kulturelle, politische und handwerkliche Weiterbildung durch die Durchführung von Tutorenprogrammen in den Häusern.
Der Verein pflegt Kontakte mit anderen selbstverwalteten Wohnprojekten. Gegenseitige Unterstützung ist selbstverständlich.

 

Kurze Geschichte

Das Gebäude in der Stauffenbergstr. 30 wird 1908 als Privatvilla des Tübinger Verlegers Dr. Paul Siebeck errichtet. In den folgenden Jahren beherbergt es verschiedene Einrichtungen. 1950 wird es als Haus II des Leibnizkollegs durch den damaligen Bundespräsidenten Heuss eingeweiht. 1972 wird es unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude in der Hauffstr. 23 wird 1910 errichtet. Es geht 1918 in den Besitz des Astronomieprofessors Prof. Dr. Rosenberg über. Auch dieses Haus beherbergt zunächst verschiedene Einrichtungen, bis es 1953 Haus des Leibnizkollegs wird. Die Geschichte der Selbstverwaltung beginnt in beiden Häusern im Jahre 1962. Sie wurde ohne Unterbrechung bis zum heutigen Tag weitergeführt und weiterentwickelt.